Die Wochenbilanz #2: Einführung, Einladung, Rauswurf
Was ist eigentlich aus all den Dingen geworden, die noch passieren sollten?
Gute Frage. Kurze Antwort: teils passiert, teils verschoben, teils so umgesetzt, dass man sich das Passieren auch hätte sparen können. Willkommen zur zweiten Wochenbilanz — die nicht wöchentlich erscheint, weil das ein ambitioniertes Ziel war. Das Konzept bleibt. Das Vollzeitjob-Problem auch. In diesem Sinne: Hier sind die Dinge, die passiert sind.
Das neue Programm: Jetzt live. In einem von 28 Standorten.
Es ist so weit. Das Programm, das seit 2019 entwickelt wird, das in Meetings besprochen, verschoben, erneut besprochen und erneut verschoben wurde — es wurde eingeführt. In der Zentrale. Und in einem einzigen unserer 28 Standorte.
Der Grund: Testen. Auf Kinderkrankheiten. Ja, genau.
Was man nach Jahren der Entwicklung, mehreren Feedbackrunden und mindestens einem Meeting zu viel noch testen muss, bleibt offen. Was hingegen feststeht: Es ist absoluter Mist. Nicht alle Funktionen, die wir benötigen, wurden eingebaut. Jemand aus dem Teststandort soll gefragt haben, ob man die fehlenden Funktionen irgendwie manuell nachbauen könnte. Die Antwort war: prinzipiell ja. Niemand fragte nach dem Zeitplan. Man hat gelernt.
Weitere Umstellungen auf das Programm sind zwar angedacht — stehen aber in der Schwebe. Wie das Programm zuvor. Gerüchten zufolge hat jemand bereits ein Dokument mit dem Titel „Rollout-Planung_final_v3_NEU_2.xlsx" angelegt. Es wurde seitdem nicht geöffnet.
Rettertüten: Ein Beschluss mit Vorgeschichte
Wir bieten jetzt Rettertüten an. Lebensmittel, die gerettet werden müssen. Eine gute Sache — keine Frage.
Interessant war der Weg dorthin. Zunächst gab es mehrere sogenannte Elite-Gipfel. Kleine Personenkreise, große Entscheidungen. Das Thema soll in einem dieser Gipfel zunächst grundsätzlich diskutiert worden sein — also ob man das überhaupt machen wolle. Ein Teilnehmer soll gefragt haben, was eine Rettertüte eigentlich sei. Das Protokoll dieser Sitzung existiert vermutlich, wurde aber noch nicht gefunden.
Für das zweite oder dritte Meeting sollte der Kreis dann erweitert werden. Um mich und einen Kollegen. Okay, dachten wir. Meetings sind ja quasi Arbeitszeitbetrug — aber gut. Wir waren sogar vorbereitet. Mein Kollege hatte sich Notizen gemacht. Ich hatte zumindest einen Stift dabei.
Das Meeting, zu dem wir nicht eingeladen waren
Mein Kollege und ich waren als Erste im Konferenzraum. Pünktlich. Bereit. Stift lag bereit.
Der Chef kam zur Tür herein, sah uns — und fragte: „Was wird das jetzt hier?!"
Wir erklärten: Naja, hier ist doch jetzt dieses Meeting.
Ja, sagte er. Das ist aber zu viert. Ihr seid da nicht eingeladen.
Kurze Stille. Wir verließen den Raum. Abrupt. Weil: häh?
Der elitere Kreis versammelte sich dann ohne uns. Was besprochen wurde, ist nicht überliefert. Wahrscheinlich wurde noch einmal grundsätzlich diskutiert, ob man das mit den Rettertüten überhaupt machen wolle. Der Chef wunderte sich offenbar noch eine Weile, wieso wir davon ausgegangen waren, eingeladen zu sein.
Die Einladung selbst blieb in diesem Kontext unerwähnt.
Mein Kollege hat die Notizen trotzdem behalten. Man weiß ja nie, ob es ein viertes Meeting gibt. Oder ein fünftes. Oder ob irgendwann jemand „Rollout-Planung_final_v3_NEU_2.xlsx" öffnet.
In diesem Sinne: Immer noch alles Scheiße.