Die Wochenbilanz #3: Rollout, Schulung, Darstellungsfehler

Was passiert, wenn man ein halbfertiges Programm in 28 Standorte ausrollt — einen pro Woche, geschult von jemandem, der selbst nicht so genau weiß, was richtig ist?

Man bekommt diese Wochenbilanz. Willkommen zur dritten Ausgabe — wieder nicht wöchentlich, weil der Vollzeitjob sich hartnäckig zwischen Konzept und Umsetzung schiebt. Das Konzept bleibt. Die Probleme auch. Fangen wir an.

1 Standort pro Woche. Danach vielleicht 2. Wir werden sehen.

Das neue Programm rollt jetzt durch unsere Standorte. Einer pro Woche wird umgestellt. Bald sollen es zwei pro Woche werden. Ob das so klappt? Schwer zu sagen. Die bisherige Erfolgsgeschichte des Programms legt eine gewisse Skepsis nahe — aber vielleicht wird ja auch diesmal alles anders.

Die Stimmung an den bereits umgestellten Standorten ist jedenfalls erheblich beschissener als eh schon. Was physikalisch eigentlich nicht möglich sein sollte. Und doch.

Die Schulung: 1 Tag vorher, inhaltlich wirkungslos

Die Entwickler schulen unsere Standorte per Online-Schulung. Einen Tag vor der Umstellung. Man könnte argumentieren, dass ein Tag knapp bemessen ist, um ein neues System zu erlernen, das seit 2019 entwickelt wird und immer noch nicht fertig ist. Man könnte das argumentieren.

Die Schulung selbst ist inhaltlich und strukturell so gestaltet, dass sie keinerlei Wirkung entfaltet. Der zuständige Mitarbeiter auf Entwicklerseite ist sehr nett. Er macht IT-typische Witze. Er kann aber auch quasi nichts. Was in Kombination mit der Schulungsqualität ein gewisses Spannungsfeld ergibt.

Alle Fragen, die zwischendurch aufkommen, muss er erst weiterleiten. Die Antwort kommt dann irgendwann. Häufig lautet sie: „Das ist nur ein Darstellungsfehler."

Ah ja.

Wenn der Steuersatz auf Artikeln nicht erkennbar ist: Darstellungsfehler. Wenn Positionen nicht korrekt angezeigt werden: Darstellungsfehler. Man fragt sich langsam, ab wann ein Darstellungsfehler aufhört, einer zu sein — und anfängt, ein Problem zu werden. Spätestens beim Jahresabschluss, wenn die FiBu fragt, warum die Kasse komische Dinge getan hat, dürfte die Antwort „Darstellungsfehler" etwas an Überzeugungskraft verlieren.

Bald übernehmen wir die Schulungen selbst. Natürlich.

Die externen Schulungen werden eingestellt. Wir machen das dann selbst. Logisch — wir kennen uns schließlich auch nicht aus. Aber das ist ja bekanntlich kein Hindernis.

Das Angebot der externen IT war dabei besonders charmant: Man würde bei unserer ersten eigenen Schulung zuschauen. Um zu sehen, ob wir auch alles richtig machen.

Kurze Pause.

Du weißt doch gar nicht, was richtig ist.

Aber danke fürs Angebot. Wirklich.

Die Rettertüten: Gleicher Lohn, mehr Aufwand, weniger matschige Paprika

Die Rettertüten laufen. Neue Arbeitsabläufe, gleiches Gehalt, gleiche Benefits. Der Aufwand, der in diese Tüten gesteckt wird, ist inzwischen so erheblich, dass die Wirtschaftlichkeit des gesamten Konzepts offen gesagt fragwürdig ist. Aber das ist eine andere Diskussion.

Die eigentliche Diskussion dreht sich um etwas anderes: die matschige Paprika.

Bevor es Rettertüten gab, durften Mitarbeiter nicht mehr verkaufsfähige Lebensmittel einfach mitnehmen. Die Gurke von gestern. Die Paprika mit Druckstellen. Das Brot vom Vortag. Kein offizieller Benefit — aber einer, der existierte und geschätzt wurde.

Jetzt werden diese Lebensmittel in Rettertüten verpackt und verkauft. Zum Wohle der Wirtschaftlichkeit. Oder zumindest in der Hoffnung darauf.

Das Ergebnis: Alle Mitarbeiter sind angepisst. Der einzige echte Benefit, den sie hatten — die matschige Paprika — ist weg. Ersetzt durch zusätzliche Arbeit und ein neues System, das Steuersätze als Darstellungsfehler behandelt.

In diesem Sinne: Immer noch alles Scheiße. Mehr als letzte Woche. Was physikalisch nicht möglich sein sollte. Und doch.

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